Commonwealth: Länder, Definition & Bedeutung (2023)

Viele ehemalige Kolonien des heutigen Vereinigten Königreichs sind bis heute Teil eines großen Bündnisses – dem Commonwealth. Die Geschichte des Commonwealth hat seine Wurzeln im British Empire. Von einer Kolonie unter britischer Herrschaft zum gleichberechtigten Staat — wie kam es dazu und was bedeutet dieser Zusammenschluss heute noch?

Definition Commonwealth

Der Commonwealth oder auch Commonwealth of Nations ist eine freie Vereinigung von Staaten. Diese besteht größtenteils aus den ehemaligen Kolonien des British Empire und dem Vereinigten Königreich. Auf deutsch bedeutet Commonwealth so viel wie "Staatenbund" oder "Gemeinwesen".

Der Commonwealth ist ein Zusammenschluss oder Bündnis aus mehreren Ländern. Zurzeit gehören insgesamt 54 souveräne und unabhängige Länder zu diesem Staatenbund. Davon sind 16 Commonwealth Länder Teil der Commonwealth Realms. Das bedeutet, dass der/die amtierende Monarch*in des Vereinigten Königreichs gleichzeitig auch König*in dieser Länder ist.

Der heutige König Charles III. (Stand: September 2022) herrscht im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie, die es ca. seit Mitte des 17. Jahrhunderts gibt. Wenn Dich das Thema "British Monarchy" interessiert, dann schaue Dir gerne die Erklärung dazu an.

Die gesamte Bevölkerung der Staaten des Commonwealth of Nations macht heute rund 30 % der Weltbevölkerung aus. Wie Du anhand der unten abgebildeten Karte erkennen kannst, sind die Mitglieder des Commonwealth über die ganze Welt verteilt und nur selten Nachbarstaaten.

Commonwealth: Länder, Definition & Bedeutung (1)

Abbildung 1: Karte des Commonwealth of Nation von 2007


Commonwealth Entstehung

Bevor sich die Länder als souveräne Staaten im Commonwealth zusammenschlossen, standen sie als Kolonien unter der Kontrolle des britischen Weltreichs, dem British Empire.

Durch die Vorherrschaft über die Weltmeere wurde das Vereinigte Königreich mit Kolonialgebieten in Amerika, Asien, Afrika, Australien und Ozeanien schließlich zur größten Kolonialmacht der Welt. Im Jahr 1921 erstreckte sich das British Empire über eine Fläche von rund 37 Millionen Quadratkilometern. Damals stand ein Viertel aller Landflächen der Erde als Handelsstützpunkte, Siedlungs-, Wirtschafts- oder Militärkolonien unter der Herrschaft der britischen Krone.

Durch die weitreichende Expansion des British Empire verbreitete sich die englische Sprache auf jedem einzelnen Kontinent. Dabei wurden in den Kolonien oft die einheimischen Sprachen verdrängt und stattdessen Englisch zur Staatssprache ernannt. Das hatte auch zur Folge, dass Englisch im 19. Jahrhundert zur Weltsprache wurde.

Du möchtest mehr über die englische Sprache erfahren? Dann lies Dir die Erklärung "English the Language" durch.

Von der Kolonie zum Commonwealth

Im 19. Jahrhundert begann die damalige Kolonie Kanada sich gegen die Abhängigkeit vom British Empire zu wehren. Um einen Krieg oder gar das Auseinanderbrechen des British Empire zu verhindern, wurde Kanada die Selbstverwaltung gewährt und zum Dominion of Canada. Damit war das Land zwar noch Teil des British Empire, es stand aber unter eigener Verwaltung und war deutlich unabhängiger.

Nachdem Kanada sich selbst verwalten durfte, verlangten das auch weitere Kolonien des British Empire. So wurden immer mehr Kolonien zu Dominions unter britischer Krone ernannt und begannen, sich selbst zu regieren.

Schaue Dir auch unsere Erklärungen "British Empire" oder "Kanada" an, um einen guten Überblick über die Geschichte verschiedener Länder zu bekommen.

Hier findest Du eine Liste von anderen Dominions und auch das Jahr, in dem das Gebiet zum Dominion wurde:

  • Australien (1907)
  • Neuseeland (1907)
  • Neufundland (1907)
  • Südafrika (1910)
  • Irland (1922, nach Ende des Unabhängigkeitskrieges)
  • Indien (1947)

Falls Dich das Thema "Nordirlandkonflikt" interessiert, dann lies Dir gerne unsere Erklärung zu dem Thema durch.

Während einige Länder sich als Dominions bereits selbst verwalten durften, standen andere Staaten, insbesondere in Afrika und Asien, jedoch als Kolonien immer noch unter der Herrschaft des British Empire. In der Hochphase des Imperialismus (von ca. 1880 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs) fielen noch weitere Kolonialgebiete unter britische Kontrolle, unter anderem viele Gebiete in Afrika. Die meisten afrikanischen und asiatischen Kolonien erlangten ihre Unabhängigkeit erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die britischen Kolonien in Nordamerika erkämpften sich in der amerikanischen Revolution bereits früher, zwischen 1776 und 1783, ihre vollständige Autonomie und die Unabhängigkeit vom British Empire. Auch heute gehören die USA nicht zum Commonwealth. Mehr erfährst Du in der Erklärung zu "Amerikanische Revolution".

British Commonwealth of Nations

Nach und nach sahen immer mehr Dominions und Kolonien mehr Vorteile als Nachteile darin vollkommen unabhängig zu sein. Deshalb wurde 1926 auf der Londoner Konferenz mit der Balfour-Deklaration beschlossen, dass alle britischen Dominions mit dem Vereinigten Königreich gleichgestellt werden sollten. Bei dem Treffen waren die Vertreter der Dominions Kanada, Indien, Australien, Neuseeland, Neufundland, die südafrikanische Union und der irische Freistaat anwesend.

Mehr zur Landeskunde Großbritanniens lernst Du zum Beispiel in unseren Erklärungen "United Kingdom" oder "Politisches System Großbritannien".

Am 11. Dezember 1931 erließ das britische Parlament das Statut von Westminster. Damit wurde die Balfour-Deklaration von 1926 formell bestätigt und per Gesetz festgehalten. Die Dominions verfügten nun über die gesetzgeberische Unabhängigkeit. Da das Vereinigte Königreich dementsprechend nicht mehr über die Dominions regierte und seine Herrschaft über die Staaten abgegeben hatte, setzte sich immer mehr der Begriff Commonwealth durch und ersetzte den Begriff British Empire.

Das Commonwealth hat seit seiner Gründung keine Verfassung und wird deshalb auch nur als "loser Staatenbund" bezeichnet. Die einzig konstitutionelle Verbindung der Dominions zum Vereinigten Königreich ist die Treue zur britischen Krone, die die Dominions beim Eintritt ins Commonwealth erklären müssen.

Mitglieder der Commonwealth

Aufgrund der weitreichenden kolonialen Vergangenheit des British Empire sind die Mitglieder der Commonwealth sehr unterschiedlich. Sie umfassen Länder mit riesigen Gebietsflächen und winzige Inselstaaten. Dazu zählen sowohl Staaten mit über 100 Millionen Einwohner*innen als auch Staaten mit einer Bevölkerung von knapp 10.000 Menschen, sowie sehr reiche und sehr arme Länder.

Zudem sind die Mitglieder der Commonwealth heutzutage nicht mehr ausschließlich ehemalige britische Kolonien, sondern auch Staaten, die nie zuvor zum British Empire gehört haben. Wie Du schon in der Definition Commonwealth gelesen hast, handelt es sich bei dem Commonwealth um eine freiwillige Mitgliedsschaft. Die Länder können jederzeit austreten.

Aufgeteilt in Regionen sind die aktuellen Mitgliedsstaaten des Commonwealth (Stand Frühjahr 2022):

EuropaAfrikaAsienKaribik und AmerikaPazifik
  • Vereinigtes Königreich
  • Malta
  • Zypern
  • Botswana
  • Gambia
  • Ghana
  • Kamerun
  • Kenia
  • Lesotho
  • Malawi
  • Mauritius
  • Mosambik
  • Namibia
  • Nigeria
  • Ruanda
  • Sambia
  • Seychellen
  • Sierra Leone
  • Südafrika
  • Swasiland
  • Tansania
  • Bangladesch
  • Brunei Darussalam
  • Indien
  • Malaysia
  • Malediven
  • Pakistan
  • Singapur
  • Sri Lanka
  • Antigua und Barbuda
  • Bahamas
  • Barbados
  • Belize
  • Dominica
  • Grenada
  • Guyana
  • Jamaika
  • Kanada
  • Saint Lucia
  • St. Kitts und Nevis
  • St. Vincent und die Grenadinen
  • Trinidad und Tobago
  • Australien
  • Fiji
  • Kiribati
  • Nauru
  • Neuseeland
  • Papua-Neuguinea
  • Samoa
  • Solomon Inseln
  • Tonga
  • Tuvalu
  • Vanuatu

Erfahre mehr über einige der ehemaligen britischen Kolonien in den entsprechenden Erklärungen "Südafrika", "Indien", "Kanada" und "Australien Neuseeland" an!

Commonwealth Realms und die britische Krone

Wie Du bereits gelernt hast, sind 15 der insgesamt 54 Staaten immer noch eng mit der britischen Krone verbunden. Sie werden deshalb auch als Commonwealth Realms bezeichnet und der/die britische Monarch*in ist dort König*in.

Tatsächlich trägt das Amt des/der amtierenden Monarch*in aber nur noch eine formelle Bedeutung. Er/sie ist nicht das Staatsoberhaupt und kann auch keine politischen Entscheidungen über das jeweilige Realm treffen. Stattdessen wird ein/e direkte/r Vertreter*in zum Staatsoberhaupt des Realms gewählt. Der/die König*in selbst hat keinen Einfluss auf diese Wahl, jedoch hält er/sie Kontakt zu den Regierungschef*innen und besucht die ehemaligen Kolonien regelmäßig.

Auf dieser Karte siehst Du, welche Länder zum Commonwealth Realm gehören. Dazu zählen zum Beispiel Australien, Papua-Neuguinea und Zypern:

Commonwealth: Länder, Definition & Bedeutung (2)

Abbildung 2: Karte der aktuellen Commonwealth Realms (2018)

Commonwealth Bedeutung heute

Das Staatenbündnis des Commonwealth hat heute seinen Sitz in London. Im sogenannten Foreign, Commonwealth and Development Office (FCDO) treffen sich die Vertreter*innen der jeweiligen Mitgliedsländer zweimal im Jahr. Das Ziel der Commonwealth-Länder besteht darin, Programme zu organisieren, die im Interesse aller Mitglieder sind. Diese Programme legen die Bedeutung auf die Bereiche Wirtschaft, Staat und Bildung.

Neben dem Vorteil der Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet achten die Commonwealth-Staaten darauf, dass die Mitglieder das Prinzip der demokratischen Staatsführung einhalten und die Menschenrechte achten. Diese gemeinsamen politischen Werte wurden in der Harare Commonwealth Declaration von 1991 niedergelegt. Gegen Commonwealth-Mitglieder, die gegen die Erklärung verstoßen haben, werden Maßnahmen ergriffen. Das können etwa Sanktionen sein oder der Ausschluss aus dem Commonwealth.

Simbabwe wurde 2002 aufgrund der Menschenrechtsverletzungen, die unter der Führung von Präsident Mugabe stattfanden, suspendiert. Nachdem die anderen Mitglieder sich geweigert hatten, die Suspendierung aufzuheben, verließ Simbabwe das Commonwealth 2003.

Commonwealth Charta

Die Charta des Commonwealth ist ein Dokument, das die Werte, Ziele und Prinzipien sowie die Commonwealth Bedeutung festlegt. Hierbei handelt es sich weniger um Regeln, die bei Verstoß zum Ausschluss aus dem Commonwealth führen. Es soll mehr um gemeinsame Werte gehen, die das Leben der Menschen im Commonwealth verbessern sollen. Darunter sind zum Beispiel Demokratie, Menschenrechte, Gleichberechtigung der Geschlechter festgehalten, wie Du dem offiziellen Statement des Commonwealth entnehmen kannst:

Our members work together to promote prosperity, democracy and peace, amplify the voice of small states, and protect the environment.

Auch die Unterstützung von kleinen Staaten und der Umweltschutz werden hier als Ziele genannt.

Commonwealth Flagge

Die Commonwealth Flagge besteht aus einer goldenen Weltkugel auf dunkelblauem Hintergrund. Diese ist von Speeren in einer C-Form umgeben, die für den Commonwealth steht. Die große Anzahl an Speeren soll für die vielen Möglichkeiten und Ziele des Commonwealth stehen.

Im ersten Entwurf der Commonwealth Flagge aus dem Jahr 1976 hatte die Weltkugel keine Neigung und war von mehreren Speeren umgeben. So wie Du die Flagge heute kennst, sieht sie seit 2013 aus.

In London weht die Fahne auf dem Sitz des Sekretariats der Commonwealth. Manchmal wird sie auch an anderen Orten gehisst, wenn sich die Vertreter*innen der Commonwealth-Mitgliedsländer treffen und weitere Veranstaltungen des Bündnisses stattfinden.

Commonwealth: Länder, Definition & Bedeutung (3)Abbildung 3: Flagge des Commonwealth

Commonwealth – Vorteile & Nachteile

Hat das Commonwealth wirklich einen großen Einfluss auf die Länder und werden diese Ziele auch umgesetzt? Hier findest Du wichtige Commonwealth Vorteile / Nachteile in einer Tabelle:

VorteileNachteile
Das Commonwealth fördert Gleichheit (insbesondere Geschlechterfreiheit), Diversität und geteilte Werte.Das Commonwealth hat zwar in einigen Ländern Demokratie fördern können, es gab jedoch wenig Erfolg in anderen Bereichen, wie z. B. die Gleichstellung der Geschlechter.
Der Mitgliedsstatus zum Commonwealth ist freiwillig. Die Länder können jederzeit austreten.Dem Commonwealth wurde vorgeworfen, nicht genug gegen Verstöße von Menschenrechten in Mitgliedsstaaten getan zu haben.
Es existieren Programme des Commonwealth für Bildung, Agrikultur, Ingenieurwesen und Gesundheit.Die Länder haben heute kaum noch Gemeinsamkeiten.

Commonwealth - Das Wichtigste

  • Definition Commonwealth: Es handelt sich um einen Zusammenschluss von 54 Ländern, die zum größten Teil unter britischer Herrschaft standen.

  • Bevor sich die Länder im Commonwealth (deutsch: "Staatenbund") zusammenschlossen, standen sie als Kolonien unter der Kontrolle des britischen Weltreichs, dem British Empire.

  • Viele ehemalige Kolonien strebten nach Unabhängigkeit, welche ihnen 1931 mit dem Statut von Westminister gewährt wurde.

  • Mitglieder der Commonwealth sind z. B. Australien, das Vereinigte Königreich, Südafrika, ...

  • Die Commonwealth Realms sind 16 weitere Staaten, die neben dem Vereinigten Königreich den/die britische*n Monarch*in noch als repräsentatives Staatsoberhaupt haben.

  • Das Ziel der Commonwealth-Länder besteht darin, Programme zu organisieren, die im Interesse aller Mitglieder sind. Diese Interessen liegen in den Bereichen Wirtschaft, Staat und Bildung.

  • Die Commonwealth Charter ist ein Dokument, das die Werte, Ziele und Prinzipien der Commonwealth-Länder bestimmt. Darunter sind Demokratie, Menschenrechte, Gleichberechtigung der Geschlechter festgehalten.

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Author: Msgr. Refugio Daniel

Last Updated: 01/04/2023

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